Jeder hat sie und doch gehen wir alle unterschiedlich erfolgreich mit ihnen um. Die Rede ist von unseren Problemen. Wir verdrängen sie, wir machen sie größer oder kleiner als sie sind und in seltenen Fällen lösen wir sie auch. Meist leiden wir jedoch unter ihnen, ohne dass es nötig wäre.
Warum sich die Auseinandersetzung mit diesem Thema lohnt und wie du mehr Energie und Lebensfreude gewinnst, darum geht es in diesem Artikel.
Was dir deine Energie raubt
Hast du schon mal längere Zeit das Gefühl gehabt, antriebslos und müde zu sein? Ein Gefühl, als wenn dir etwas deine Energie rauben würde? So wie die grauen Herren bei „Momo“ die Zeit stehlen? Grübelst du von Zeit zu Zeit und versinkst in einem Strudel aus „Was-Wäre-Wenn-Sorgen“? Herzlich willkommen im Club, das geht sehr vielen so.
Es gibt Menschen, die aufgrund von Mangelerscheinungen oder Krankheiten an Antriebsschwäche und Niedergeschlagenheit leiden. In diesem Fall ist eine medizinische Diagnose und Therapie durch einen Facharzt der erste Schritt.
Doch sicherlich kennst du auch Menschen in deinem Umfeld, die einen Berg an Problemen mit sich rumtragen und unter diesem Berg kleiner und kleiner werden. Ungelöste Probleme belasten uns im wahrsten Sinne des Wortes. Sie rauben uns Energie und spuken in unserem Hinterkopf herum.
Doch die Betonung liegt auf „ungelöste Probleme“. Denn nicht die Probleme machen uns das Leben schwer, sondern die Art, wie wir mit ihnen umgehen.
Ich spreche dabei über Alltagssorgen, die viele kennen, und nicht über große Schicksalsschläge, die ich nicht verharmlosen möchte. Die alltäglichen Sorgen und Probleme, die dich belasten, sind wie kleine Gewichte, die du beim Laufen hinter dir herziehst. Auch wenn du sie gerade nicht bewusst wahr nimmst, bremsen sie dich aus und rauben dir deine Energie.
Zeit somit, Ballast abzuwerfen!
1. Raus damit
Schon der erste Schritt auf dem Weg, deine Probleme zu lösen, kann sehr erleichternd sein. Du kannst nun all das in Worte zu fassen, was dich belastet. Nimm dir für diese Übung an einem ruhigen Ort zehn Minuten Zeit und einen Zettel sowie Stift zur Hand.
Liste nun alle Sorgen, Ängste und Probleme auf, die dir in den Kopf kommen. Die Reihenfolge ist völlig egal, schreib einfach auf, was dir als erstes einfällt. Bewerte deine Probleme nicht, suche nicht nach Lösungen und steigere dich nicht in Horror-Szenarien hinein. Aufschreiben und weitersuchen, das ist dein Ziel. Diese Satzanfänge können dir die Auflistung erleichtern:
Ich mache mir Sorgen, dass …
Wenn ich an meine Zukunft denke, habe ich Angst vor…
2. Bye bye schlechte Laune
Du hast die Liste mit deinen Sorgen vor dir liegen? Im besten Fall bist du nun schon etwas erleichtert, weil du deine Probleme formuliert hast. Wenn du dich nun stattdessen erschlagen von deinen Sorgen fühlst, kommt der schöne Teil der Übung: Denn um wieder klar denken und die Probleme angehen zu können, müssen wir uns zunächst in die optimale geistige Verfassung bringen.
Unsere Stimmung beeinflusst zu einem großen Teil die Leistungsfähigkeit unseres Geistes, wie zahlreiche Studien belegen. Wenn wir uns gestresst fühlen und Probleme wälzen, läuft unser Denken auf Sparflamme. Jeder Gedanke kämpft sich mühsam durch die träge, graue Masse.
Ganz anders sieht es in unserem Kopf aus, wenn wir gut gelaunt an etwas tüfteln, was uns Freude bereitet. Die Gedanken schießen durch den Kopf, wir sind kreativ und Lösungen finden sich wie von selbst. Die biologische Ursache ist ein Anstieg des Dopamin Spiegels im Gehirn. Der Botenstoff löst eine erhöhte Aktivität im Stirnhirn in den Regionen aus, die wir zur Datenverarbeitung benötigen.
Mit einem erhöhten Dopamin Spiegel verarbeiten wir Informationen schneller und arbeiten konzentrierter. Unsere Neugier ist entfacht, wir kombinieren schnell und die Kreativität läuft auf Hochtouren.
„Freude ist der Übergang des Geistes in einen perfekten Zustand.“
Baruch Spinoza
Doch wie kommen wir in diesen Zustand? Wer mein Buch gelesen hat, ist mit den verschiedenen Methoden bereits vertraut und vielleicht schon entsprechend geübt darin, die Gedanken zu beflügeln.
Alle anderen sind nun gefordert, einen ersten, vereinfachten Schritt in diese Richtung zu gehen. Was bereitet dir Freude, womit kannst du dich eine halbe Stunde ablenken und deine Laune verbessern? Ist es vielleicht ein kurzer Sparziergang an der frischen Luft, eine Folge deiner Lieblingsserie, ein gutes Essen, das du dir kochst, oder ein Käffchen mit deiner besten Freundin?
Was auch immer dir gerade gut tut, tue es.
Wenn dir auf die Schnelle nichts einfällt, hier ein Tipp von mir: Nicht nur die schönen Momente, die wir gerade erleben, machen uns glücklich. Auch die Erinnerung an längst vergangene Glücksmomente wecken das Kribbeln im Bauch. Erinnere dich bewusst an Situationen, in denen du glücklich warst. Male dir diese Momente in all ihren Einzelheiten aus: Wonach roch es, welche Geräusche waren zu hören, wie warm war es?
So, ist die Laune wieder besser? Dann können wir uns an die alles entscheidende Einteilung machen!
3. Der Meilenstein: Erkenne deinen Einflussbereich
Der Mönch in diesem Video trifft den Nagel auf den Kopf: Es gibt objektiv keinen Grund, sich Sorgen zu machen. Entweder haben wir einen Einfluss auf unsere Probleme und können sie lösen oder wir haben keinen Einfluss und müssen uns nicht das Hirn zermartern.
Statt sich diesen Rat zu Herzen zu nehmen, ärgern sich viele Mitmenschen über Zustände, Dinge und Handlungen, die sie als negativ empfinden. Dazu gehört der unfreundliche Nachbar ebenso wie das Wetter. Die Niederlage unseres Lieblingsvereins macht uns genauso zu schaffen wie ein ungelöstes Problem, das wir vor uns herschieben. Warum dieses Verhalten tief in uns verankert ist und wie wir auch langfristig erfolgreich damit umgehen, dazu findest du bei Interesse mehr Infos im „Buch“.
Einer der wichtigsten Schritte auf dem Weg zu mehr Lebenszufriedenheit: Zu erkennen, auf welche Ereignisse wir Einfluss nehmen können und uns darin zu üben, den Rest getrost an uns vorüber ziehen zu lassen.
Na dann, machen wir uns ans Üben!
Greif dir deine Liste und streiche alle Sorgen und Probleme, auf die du keinen Einfluss hast. Anschließend sortierst du die übrig gebliebenen Punkte nach ihrer Wichtigkeit. Wichtig ist in diesem Fall das, was dich am meisten belastet. Wo entwickelt sich ein Kloß in deinem Hals oder zieht sich dein Magen zusammen, wenn du nur daran denkst? Das ist der Punkt, den wir als erstes angehen, gerade weil es weh tut!
Überlege nun, wie du das Problem in den Griff bekommen kannst und mache dir eine genaue Liste mit kleinsten Schritten. Je größer das Problem auf dich wirkt, umso wichtiger ist es, die Lösung in kleinste Aufgaben zu zerlegen. Wenn es dir lächerlich erscheint, diesen Minischritt aufzuschreiben, machst du alles richtig.
In der Regel geht es im ersten Schritt z.B. um eine genaue Einschätzung der Lage. Entweder möchtest du dir mehr Informationen beschaffen, mit einem Freund darüber reden, der sich auskennt, oder beispielsweise einen Beratungstermin vereinbaren.
Setze dir Termine, zu welchem Zeitpunkt du welchen Streckenabschnitt hinter dich gebracht haben möchtest. Halte die einzelnen Schritte und Termine ebenso wie die noch ungelösten Probleme auf einem neuen Zettel fest.
Und nun das Allerwichtigste: Gehe den ersten Schritt jetzt! Auch wenn er noch so klein ist, werde jetzt aktiv. Das fällt dir schwer? Prima, dann arbeitest du an der richtigen Sache! Die wirklich wichtigen Dinge im Leben sind selten bequem 😉.
4. Klopfe dir auf die Schulter und belohne dich
Du hast den ersten Schritt erfolgreich gemacht und die folgenden Steps geplant und terminiert? Super, dann koste das gute Gefühl, aktiv geworden zu sein, richtig aus. Belohne dich mit etwas, was dir Freude bereitet.
Wenn du dich jetzt fragst, ob jeder außer dir super im Lösen von Problemen ist, kann ich dich beruhigen. Du bist nicht alleine, der Mehrheit geht es so wie dir. Wenn du über dich lachen möchtest, dann empfehle ich dir das Buch: „Dinge geregelt kriegen ohne einen Funken Selbstdisziplin“.
Last but not least: Ich verbrenne übrigens gerne den Zettel, auf dem ich im ersten Schritt alle „meine Probleme“ notiert habe. Ich werfe dadurch spürbar Ballast ab und gewinne neue Energie!
Viel Erfolg wünscht dir,
deine Bella